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Wieso
Meditieren das Hirn wachsen lässt
Bericht
auf Spiegel-Online vom 25. November 2008
HEILENDER GEIST
Stress wirkt wie Gift aufs
Gehirn. Doch dagegen gibt es ein Heilmittel, verrät eine Studie: Auf SPIEGEL
ONLINE erklärt Harvard-Forscherin Sara Lazar, warum Meditation Denkfähigkeit
und Wohlbefinden steigert - und den Geist fit hält.
SPIEGEL ONLINE: Frau Lazar,
mit dem Kernspintomographen untersuchen Sie die Gehirne von gestressten
Menschen, die meditieren. Wonach halten Sie Ausschau?
Lazar: Wir setzen den
Kernspin ein, um einerseits zu erkennen, was das Gehirn gerade macht.
Andererseits studieren wir, wie sich seine biologische Struktur verändert, also
die Menge an grauer Substanz sowie die Form der Gehirnwindungen und Furchen.
SPIEGEL ONLINE: Was haben Sie
entdeckt?
Lazar: Die ersten Veränderungen
zeigen sich schon, wenn man nur zwei Monate lang regelmäßig meditiert.
Beispielsweise erhöht sich die Dichte der grauen Substanz. Unsere Daten legen
nahe: Je häufiger ein Mensch das Meditieren übt, desto stärker wächst sein
Gehirn.
SPIEGEL ONLINE: Auf welchen
biologischen Prozessen beruhen die von Ihnen beobachteten Veränderungen in den
Gehirnen meditierender Menschen?
Lazar: Wir wissen, dass
verschiedene Mechanismen am Werk sein können. Dazu gehört eine vermehrte
Bildung von Blutgefäßen im Gehirn sowie eine Zunahme der Verbindungen zwischen
den Nervenzellen. Hinzu kommt: Ein Zuwachs an weißer Substanz, die aus den
Nervenfasern besteht, hilft der grauen Substanz, die vorwiegend aus den
Nervenzellkörpern besteht. Leider können wir mit dem Kernspin bisher nicht
erkennen, welche dieser Vorgänge sich gerade abspielen oder ob sie alle zur
gleichen Zeit ablaufen.
Lazar: Bisher vor allem im
sogenannten Insellappen, der zum Großhirn gehört und für das Erkennen innerer
Empfinden eine Rolle spielt. Überdies war eine Region im frontalen Kortex verändert,
der wichtig ist für Aufmerksamkeit und Gedächtnis.
SPIEGEL ONLINE: Was bedeuten
diese Veränderungen für die Leistungsfähigkeit des Gehirns?
Lazar: Genau können wir das
zwar nicht sagen, aber wir gehen davon aus, dass die betreffenden Areale besser
funktionieren. Das scheint mit den seelischen Aufhellungen einherzugehen: Viele
Menschen berichten ja, nach einer Meditation fühlten sie sich viel entspannter
und wacher im Geiste.
SPIEGEL ONLINE: Sie
untersuchen auch, inwiefern Meditation auf den Alterungsprozess des Gehirns
wirkt.
Lazar: Ja, und die bisherigen
Daten legen nahe, dass das Gehirn tatsächlich langsamer altert: Menschen, die
regelmäßig meditieren, bleiben demnach länger geistig frisch als Personen,
die nicht meditieren.
SPIEGEL ONLINE: Von der
Ausbildung sind Sie Neurowissenschaftlerin. Woher kommt Ihr Interesse an der
Meditation?
Lazar: Ich selbst meditiere
vier- bis fünfmal in der Woche. Und ich finde es unglaublich, wie einfach das
ist: Ein Mensch braucht nur 20 bis 40 Minuten lang bewusst wahrnehmen, wie er
atmet – und das hat Studien zufolge bereits erhebliche Auswirkungen auf unser
Wohlbefinden, Gedächtnis, Kognition und Gesundheit. Ich brenne darauf
herauszufinden, wie genau diese Effekte zustande kommen.
Das Interview führte Jörg
Blech
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